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RatingAnalysten der Universität Augsburg e.V.
Freitag, 22. September 2006

Marktwert von Analysten steigt

Veröffentlicht von: Lena Rosenthal, ftd.de

Die Rating-Experten sind gefragter denn je: Banken schätzen sie bei der Kreditvergabe, Unternehmen engagieren sie vor Bonitätsprüfungen als Berater, Rating-Agenturen suchen neue Mitarbeiter. Doch an Ausbildungsstandards mangelt es noch.

Rating-Analysten haben viel Macht. Sie entscheiden, ob ein Unternehmen kreditwürdig ist. Ist das der Fall, bestimmen sie mit ihrem Urteil maßgeblich die Konditionen, zu denen ein Kredit gewährt wird, die Höhe des Kreditvolumens und die gewünschten Sicherheiten. Von der Einschätzung der Analysten hängt also viel ab, und sie werden zunehmend gebraucht. Auch mittelständische Unternehmen finanzieren sich nicht mehr ausschließlich über ihre Hausbank, sondern orientieren sich stärker am Kapitalmarkt. Das heißt, sie benötigen Ratings. Darüber hinaus führt der Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten dazu, dass Banken ihre Kreditanalyse und -überwachung verbessern - Ratings sind auf diese Weise zu einem zentralen Bestandteil bei kurzfristigen Finanzierungsfragen geworden.

Analysten, die Unternehmen unter die Lupe nehmen und so das Kreditrisiko ermitteln, sind daher gefragter denn je: Die international führenden Rating-Agenturen wie Moody's, Standard & Poor's und Fitch Ratings weiten ihren Stamm an Fachleuten aus. Sie rekrutieren ihr Personal vor allem bei den Banken, die am internationalen Finanzmarkt agieren. Motiviert von den günstigen Perspektiven des Marktes entstehen zudem neue Bewertungsagenturen, die als Zielgruppe mittelständische Unternehmen im Blick haben.

Learning by Doing:
Auf der anderen Seite des Marktes wächst der Bedarf an Spezialisten, die Unternehmen vor einem Rating beraten; eine Marktnische, die vor allem auch für Beratungsfirmen interessant ist und Analysten in dieser Branche Berufsperspektiven bietet. "Wir beobachten auch, dass zunehmend Stellen für Rating-Advisor innerhalb der Unternehmen geschaffen werden. Zwar findet man die Bezeichnungen nicht unbedingt in den Ausschreibungen, aber die Profile gleichen sich", sagt Armin Jäger, Geschäftsführer des Bundesverbands der Ratinganalysten und Ratingadvisor (BdRA). "Der Bedarf an Experten wird in Zukunft sicherlich noch stärker wachsen, insbesondere im Bereich des Mittelstand-Ratings." Was der Markt allerdings noch nicht geschaffen hat, ist eine standardisierte Ausbildung. Vergleichbar mit dem Berufsstand der Unternehmensberater fehlt ein anerkanntes Berufsprofil. Die Analysten sind in der Regel Akademiker, die in den bekannten Agenturen oder großen Bankhäusern auf ihre Arbeit vorbereitet werden - Learning by Doing. "Vor fünf Jahren wurde in Deutschland Rating häufig noch mit Ranking verwechselt. Bis sich ein Berufsbild und dazugehörige Ausbildungsstandards durchgesetzt haben, wird es also sicherlich noch etwas dauern", sagt Jäger.

Qualifizierung im Angebot:
Manfred Steiner, Professor am Lehrstuhl für Finanz- und Bankwirtschaft der Universität Augsburg, pflichtet bei: "Es hat sich schon viel getan. Immerhin ist es undenkbar heute, ohne Rating an den Kapitalmarkt zu gehen. Da es sich aber bei der Ausbildung zum Bewertungsanalysten um einen unregulierten Markt handelt, müssen sich bestimmte Ausbildungen erst etablieren - und das braucht eben seine Zeit." Die Universität Augsburg beginnt im Oktober am Institut Rating-Analyst die inzwischen13. Qualifizierung, die sie in Zusammenarbeit mit Rating-Agenturen, Rating-Beratungsunternehmen und Banken anbietet. Dazu gehören etwa Standard & Poor's, Moody's, PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Bundesbank und die Dresdner Bank. Nach 300 Vorlesungsstunden erwerben Teilnehmer, die entweder ein Studium abgeschlossen oder Berufserfahrung haben, das Zertifikat "Rating-Analyst (univ.)".
 
Auch Steiner, der das Institut wissenschaftlich leitet, erwartet, dass der Bedarf an Rating-Analysten und -Beratern in Deutschland auf lange Sicht wachsen wird: "Es ist eher erstaunlich, dass unsere Untersuchungen leider immer wieder zeigen, dass viele Unternehmen noch nicht erkannt haben, wie wichtig das Thema für sie ist." Die Universität Augsburg wird ihr Studienprogramm deshalb weiter ausbauen. Ab 2007 wird sie als erste deutsche Universität einen "Master of Business Administration"-Studiengang einrichten, an dessen Ende der Titel "Master of Corporate Finance and Rating" steht. [...]